Das mag für reine Hit-Produzenten verlockend und willkommen sein. Schon die Digitalisierung der Musikproduktion vereinfacht die frühere Studiotechnik enorm, was die wertvolle und spezialisierte Handarbeit
vieler Studioproduzenten oft obsolet macht. Diese radikale Vereinfachung der Aufnahmetechnik führt seit Jahren dazu, dass auch die Musik zum tendenziell schnelllebigen Wegwerfartikel verkommt. Mit nahezu
allen kostenlosen Musikprogrammen kann heute radiotaugliche Qualität produziert werden. Die Deutungshoheit bzgl. radiotauglicher Audioqualität liegt allerdings nicht mehr bei den Musikredaktionen, sondern
längst bei den Streamingdiensten. (Zu den Profiteuren dieser Entwicklung gehöre selbstverständlich auch ich, dies mal so nebenbei.
Im Zusammenhang der KI- Möglichkeiten entwickelt sich aber noch ein weiterer Trend und der macht mir eigentlich mehr Sorgen, als die inzwischen akzeptierte Digitalisierung in der Produktion. Die
Digitalisierung konkurrenziert die Ton und Aufnahmetechnik, KI konkurrenziert nun aber auch die Kreativität. Ich werde vermehrt gefragt, ob meine Songs von mir seien, oder ob es eine KI Produktion ist.
Mit solchen Fragen musste man vor 2 Jahren noch nicht rechnen. Da sehe ich eine bedrückende Tendenz: Ich sehe 2 Szenarien für die Zukunft: 1. Der künstlerische Hintergrund einer Produktion wird
bedeutungslos. Das heisst, Bands und Interpreten sind im besten Fall nur noch auf den Bühnen gefragt. (Was ja nicht nur Nachteile hat). Diese Entwicklung sehen wir ja schon seit der Bedeutungslosigkeit
des Tonträgermarkts. 2. Der Urheberstatus eines Song muss beweisbar werden, oder, bzw. es spielt gar keine Rolle mehr, ob KI dafür verantwortlich ist, dass uns ein Lied gefällt, oder ob sich da jemand
noch abmüht, Arrangements zu schreiben und Instrumente spielt.
Bei meinen Songs bin ich der KI derzeit noch einen Schritt voraus, da sich mindestens bei den Mundart Texten derzeit noch jeder Algorithmus „verschlucken“ wird. Aber das wird sich wohl auch noch ändern. Diese Entwicklung verleitet mich momentan dazu, meine Musik auf „Retro“ zu dimmen. Ich habe derzeit grosse Freude daran, meine bestehenden und neuen Songs im Unplugged, Akustik Modus zu arrangieren. Vorerst ist es mir also noch wichtig, dass man meiner Musik meine organische, fehlbare Urheberschaft auch anhört. Im Grossen und Ganzen bedeutet dies, dass ich jeden Song alleine mit der Gitarre oder dem Piano performen kann und zunehmend auch werde. (Es lebe die Strassenmusik!) Einer Gefahr muss ich mich zum Glück vorerst noch nicht stellen: Die Konsequent angewendete Virtualität in der Musik bedeutet für amtsmüde Profis wie „Abba“ oder „Kiss“ inzwischen auch, dass sie als Musiker auf der Bühne durch sogenannte „Hologramme“ ersetzt werden. Dies allerdings setzt ein seliges Bedürfnis von Millionen von Fans voraus. Da hab ich (zum Glück) noch genügend Luft nach oben.
Wir sehen uns!
Rosso